Fruchtfleisch
Juni 28, 2007
Lauwarmer Schweiß überall, bahnt sich in Rinnsalen seinen Weg, auf der Brust, über den Nacken, die Wirbelsäule entlang, zwischen die Pobacken. Er wischt sich über die Nase und setzt die Sonnenbrille wieder auf. Ray Ban konnte man in diesem Sommer wieder tragen, deshalb lag die Lagerfeld mit dem dicken Gestell jetzt im Schrank. In welchem Schrank überhaupt? Er schiebt das Fahrrad über den Schotterweg und überlegt. Letzten Juli war er mit Cloé zusammen gewesen. Oder zumindest mit einer Frau, die sich von ihm so nennen ließ. Lange, rotblonde Haare, ein Duft nach… Maiglöckchen, ein bisschen mädchenhaft, fast zu süß. Er weicht einem Kinderwagen aus und stutzt dann. Vielleicht war es auch schon Stefanie gewesen, die blondgelockte, lachende Webdesignerin mit dem Loft und dem XL-Futon. War doch eigentlich ganz gut gewesen mit ihr. Brüste, die keinen BH brauchten, wie oft gab es das schon? Die Brille wäre dann in diesem roten Kartell-Container im obersten Fach.
Oder? Mitte August war es dann ziemlich verregnet gewesen, also konnte er die Ikea-Garderobe dieser kleinen Büromaus – Sina, genau – als Aufenthaltsort ausschließen. Sina. am liebsten in Weiß gekleidet, enge Röcke, durchsichtige Hosen, und immer Stringtangas drunter – die sie eindeutig tragen konnte. Hatte einen auf brav gemacht, bisschen unbeholfen, aber blies wie eine vom Fach. Er seufzt und rückt den Schulterriemen seiner abgewetzten Freitag-Tasche zurecht. Seit zehn Jahren lief man jetzt mit den Dingern rum, konnte nicht mal jemand was anderes erfinden? Eine Tasche, in die Laptops, Vinylplatten, Akten und Einkäufe bequem reinpassten? Die Tasche ist definitiv zu schwer, mindestens 5 Kilo Zeug schleppt er da herum. Besonders die Melone – ein Riesenviertel hat die Tochter des türkischen Obsthändlers ihm ausgesucht. Eigentlich auch süß, die Kleine, ein bisschen Ethno-Flair hatte schon was. Er schüttelt Kiesel aus den Flipflops und grinst. Das würde sofort Ärger geben, große Brüder aus der Vorstadt die einen morgens aus dem Wasserbett zerren, Kippen auf den Barcelona Chairs ausdrücken und ihm erst Fingernägel und dann Familienjuwelen abreißen würden…
Im Schatten eines jungen Ahorns lässt er sich nieder, legt das Rad auf die Wiese und packt die Melone aus der Plastikfolie. Anni ist jetzt beim Arzt, denkt er beim Blick auf sein Nokia. Vielleicht ist es auch schon erledigt. Hatte er sie zu sehr genötigt? Das Taschenmesser frisst sich durch die dunkelgrüne Melonenschale und gleitet dann leicht durch das frische rote Fleisch. Beim nächsten Schnitt verliert er kurz die Kontrolle, so rutschig sind die Finger. Es blutet ziemlich, dunkelrote Tropfen, die von der hellroten Frucht sofort aufgenommen werden. Er saugt, lutscht und schluckt das erste Stück. Eigentlich war das Blut gar nicht zu schmecken. Nur der verletzte Finger pocht. Er müsste sie gleich abholen, er hatte es versprochen. Würde sie anklagend gucken, würde sie weinen? Sie kannten sich 3 Monate – was hatte sie erwartet? Er wollte kalt sein wie eine Melone.
Restrauschen
Juni 27, 2007
Tu noch Zitrone in den Gin
und gieß nen Schuss vom Tonic rin
das Eis am Glas klimpert charmant
schluck, wer hat wen hier in der Hand?